Georg Dick
18. September bis 30. November 2008
Eröffnung: 18. September 2008, ab 20.00 Uhr
Johannes Kriesche - freischaffender Künstler aus Offenbach
Johannes Kriesches Werk partizipiert von diesem Nebeneinander. Mit der Malerei, der er sich noch verpflichtet fühlt, macht er einen Spagat zwischen mehreren Medien, die er benutzt und akzeptiert. Für seinen großen Gestaltungswillen spielt die computergesteuerte Druckgrafik wie der computergesteuerte Entwurf eine bestimmende Rolle. Bei dem Gestaltungsprozeß Seherlebnisse seiner engeren Umgebung darzustellen, hilft ihm die alte Technik der Enkaustik. Enkaustik, ein antikes Malverfahren, das die wachsgebundene Farbe heiß aufgetragen oder bei kaltem Auftrag mit heißen Spachtel verschmelzen läßt. Schon in Herculaneum und Pompeji angewandt zieht Johannes Kriesche diese alte vergessene Technik, die nur noch von Schnorr von Carolsfeld im 19. Jahrhundert angewendet wurde, unbekümmert in die Moderne.
Die direkte Farbe wird durch die diffuse schimmernde Oberfläche des Wachses in märchenhafte Ferne und größere Distanz zu unserer realen Welt gerückt. In der Serie der Lichttempel gelingt dem Maler nicht nur thematisch sondern auch maltechnisch eine Symbiose zwischen malerischer und technischer Oberfläche auf überzeugende Weise. Die Tankstellen, Servicestationen unserer beweglichen Welt, werden durch die künstlerische Sicht des Malers zu Tempeln unserer Zeit.
Dem gleichen Malverfahren, Farbe, Wachs auf leinwandbespanntem Holz, begegnen wir in dem 16-teiligen Bild „Unterwassergeflüster“ von 2004. Die Schmelzmasse des Wachses verwandelt die mannigfaltigen zahlreichen Naturformen fast zu eine Grisaillemalerei. Die mangelnde Schärfe läßt außerdem die Tiefe des Meeres ahnen.
Eine ganz andere Dynamik entfalten die großen Bilder der neuesten Bildserie ,,Swanlike“ 2005. Der Titel ist dem wohl berühmtesten Ballettstück ,,Schwanensee“ entlehnt. Schwanensee, ein Ballett, das Johannes Kriesche in einer modernen Fassung in der Frankurter Oper, statt in der gewohnten weiblichen Besetzung nur von Männern getanzt, erlebt hat.
Für ihn Anlaß philosophische Überlegungen zur Verwandlung, Austauschbarkeit und Gleichberechtigung anzustellen.
Der verfremdete Titel ,,Swanlike“: Es sind Motive und Szenerien aus dem Internet Transvestitenshows, die die Künstlichkeit der Motive dieser Serie unterstreicht. Hier wird die Technik Enkaustik, die alles entrüickende Malerei verlassen und die Farbe direkt und unverdeckt dem Auge preisgegeben. Die stark farbig abgesetzten Farbfelder, spielerisch mit wechselnden Szenerien besetzt, lassen Parallelen zur Collage der Scherenschnitte der letzten Jahre von Matisse erkennen. Gleichzeitig zeigen die intelligent verwendeten, computergesteuerten Druckgrafiken eine Nähe zur amerikanischen Moderne. Trotzdem entsteht eine eigene Sehweise deren Bildlichkeit durch die Zuordnung der Formen, die genannten Einflüsse hinter sich lassend, einen Spiegel unserer jetzigen Welt mit schonungsloser Offenheit präsent macht.
Die Zeichnung, die direkteste Sprache des Malers, ist ein zusätzliches Stilmittel für den unbändigen Gestaltungswillen Johannes Kriesches. Die rythmisch aufgelegte wie eingeritzte Zeichnung bringt die Bilder zum Klingen ohne die Bildarchitektur zu zerstören. Im Bild ,,Swanlike 3“ spart sie den Rhythmus der zeichnenden Hand aus und wirkt wie eingefroren. In dieser Unerbittlichkeit steht sie im reizvollen Kontrast zu den unterschiedlich strukturierten und absichtlich malerisch gehaltenen Flächen.
Gewachsenes und Technisches, Poesie und Künstlichkeit, unsere reale Welt in ihrer Widersprüchlichkeit bietet für den Maler unerschöpflichen Reichtum für neue Bildwelten und Experimente. Nicht übersehen möchte ich die Tulpen in ihrer Künstlichkeit im Bild ,,Swanlike 3“ und ,,Swanlike 1“ In ihrer Künstlichkeit, dem Kitsch entsprungen, gefunden in einem Kaufhaus, werden sie zum Hauptdarsteller der Bilder. Triviales wird in den Adelsstand erhoben. Zwischenwelten."
(Zitiert aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung „Seitenwechsel“ Abgusssammlung Antiker Plastik Berlin 3.2.2006 von Prof. Inge Dörries-Höher, Bielefeld)
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18.3.1959 |
geb. in Herzebrock (NRW) |
1981 - 1987 |
Studium der Malerei an der FH Bielefeld bei Prof.Inge Höher |
1994 - 1995 |
Studienaufenthalt in Rom |
1996 |
Umzug nach Frankfurt |
seit 2000 |
lebt und arbeitet in Offenbach |
seit 2001 |
Mitglied im Bund Offenbacher Künstler (BOK) |
seit 2002 |
Gründungsmitglied der Produzentengalerie KUNST RAUM MATO, Offenbach |
2004 |
1. Kunstförderpreis "Offenbacher Löwe 2004" |
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Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl) |
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1987 |
Galerie Friedemann, Gütersloh |
1987 |
Artibus, Kunstverein Bielefeld |
1988 |
Gruppe TÜR, Kunstverein Bielefeld |
1989 |
Galerie Baumgarte, Bielefeld |
1992 |
Offene Ateliers, Nancy |
1994 |
Galerie Infracom, Paris |
1994 |
Paderborner Kunstverein, |
1995 |
Galerie Grabenheinrich, Gütersloh |
1996 |
Galeria Massenzio Arte, Rom |
1997 |
Galerie Otterstätt, Bielefeld |
1998 |
Art Mac Can, Frankfurt/Main |
1999 |
Galerie Kunstwerk, Frankfurt/Main |
2000 |
Galerie der Software AG, Darmstadt |
2001 |
"Europaviertel", Kunsthalle Schirn, Frankfurt/Main |
2002 |
Galerie Eva Gfall, Darmstadt |
2003 |
Galerie Edition 1, Frankfurt/Main |
2004 |
Galerie Kunst Raum Mato, Offenbach |
2005 |
Galerie im EVO-Turm, Offenbach |
2006 |
Museum der Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin |
2006 |
Museum der Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin |
2006 |
Museum der Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin |
2006 |
Museum der Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Berlin |